Kurzfassung:
Bei konventionellen CATI-Interviews werden die Antworten zu den offenen Fragen vom Interviewer per Tastatur in eine Textmaske eingetragen. Aufgrund des Zeitdrucks passieren bei diesem Vorgang Fehler. Außerdem werden die Befragtenantworten häufig nur abgekürzt oder paraphrasiert von den Interviewern wiedergegeben. Somit tritt bei der Übertragung und Analyse von "wörtlichen Nennungen" ein erheblicher Verlust an Informationsmenge und -facetten ein. Diesem Problem versucht das Voice Coding-Verfahren entgegenzutreten.
Dabei werden die Antworten zu den offenen Fragen nicht vom Interviewer notiert, sondern als Sounddatei elektronisch aufgezeichnet und anschließend direkt für die Vercodung und Auswertung verwendet. Neben einer größeren Authentizität in der Analyse soll dieses Verfahren eine größere Anzahl an offenen Nennungen und eine größere Themenvielfalt hervorbringen. Da der Interviewer keine wertvolle Befragungszeit mit Tippen vergeudet, dürfte außerdem die Interviewdauer verkürzt werden, was wiederum zu niedrigeren Feldkosten führt. Um zu überprüfen, inwieweit die Vorteile des Voice Coding unter Praxisbedingungen realisiert werden können, wurde das Verfahren bei einer CATI-Befragung deutscher Autofahrer von Psyma im Mai 2005 eingesetzt. Dabei haben sich die Erwartungen hinsichtlich einer größeren Anzahl spontaner Antworten und eines größeren Facettenreichtums in den offenen Nennungen vollends bestätigt. Lediglich eine signifikant kürzere Interviewdauer konnte noch nicht nachgewiesen werden.
Durch Erfahrungszuwachs der Interviewer und daraus resultierende Lernkurven-Effekte ist bei zukünftig verstärktem Einsatz von Voice Coding jedoch davon auszugehen, dass sich die erwarteten Effizienzsteigerungen durch Qualitätsverbesserungen bei gleichzeitigen Kosteneinsparungen in vollem Maße realisieren lassen.
Der ausführliche Artikel als pdf-Download[249kB]
Heft 5/2005, S. 63-68, erschienen im Nov. 2005. Abdruck mit Genehmigung des Deutschen Fachverlages, Mainzer Landstr. 251, 60326 Frankfurt/Main, Tel. 069-7595-2019, Fax -2017
redaktion@planung-analyse.de www.planung-analyse.de