Schönheit als übergreifende Klammer des Ästhetik-Begriffs war und ist ein Überlebensprinzip:
In archaischen Gesellschaften stellte sie vor allem ein biologisches Signal für gesunde und vitale Nachkommen dar und vereinfachte so die Partnerwahl. Seit der Antike hat man immer wieder versucht zu messen oder zu erklären, warum wir Dinge schön finden oder warum Schönheit automatisch mit anderen positiven Eigenschaften wie Intelligenz verknüpft wird.
Aktuell erleben wir einen Ästhetisierungs-Boom, der einen Versuch der Identitätsbildung in einer komplexen Welt mit vielfältigen Gestaltungsoptionen darstellt. Die ästhetische Identitätsbildung äußert sich in der sorgfältigen Konfiguration von individuellen Konsum-Portfolios, die Lebensentwürfen eine Struktur geben und einen Weg im Universum der unendlichen Möglichkeiten aufzeigen.
Premium-Erlebnisse können im westlichen Kulturkreis vor allem durch Reduktion („Weniger ist Mehr“) geschaffen werden, dies gilt nicht nur für optische Inszenierungen von Marken und Produkten, sondern zunehmend auch für deren Funktionalität. Sowohl Fachjurys (red dot award) als auch Konsumenten belohnen die gelungene Verknüpfung von Design und Funktion – vor allem Lead Brands aus dem Kommunikationssektor, insbesondere Apple, haben nicht nur ein glattes, puristisches Design, sondern auch den Joy of Use als Primat für Premium-Produkte implementiert.
Success Stories aus anderen Branchen, wie z.B. der Nespresso-Hype, funktionieren nach demselben Prinzip. Nespresso inszeniert Kaffee an allen Marken-Touchpoints konsequent als perfektes Ästhetik-Convenience-Paket: Das optische Design der Kapsel, Celebrity-Marketing mit George Clooney, urban-kühle Kaffeemaschinen mit einfachem Funktionsprinzip und eine Shop-Welt, die die Brand Assets konsequent aufgreift.
Entscheidend für einen positiven Gesamteindruck von Konsum-Ikonen ist die Reduktion bei gleichzeitiger sinnlicher Sättigung – andernfalls birgt Purismus die Gefahr der Seelenlosigkeit in sich. Cool, aber nicht kalt lautet die Erfolgsformel.
Ein iPhone ist nicht nur optisch und aufgrund seines Brandings sexy, sondern schafft auch über Haptik und Funktionalität Begehrlichkeiten – genauso wie andere Apple-Produkte wie z.B. das iPad oder die Magic Mouse, die so auf Berührungen des Users reagiert, als sei sie lebendig. Damit wird ein Gefühl von Easy Living und Beschwingtheit vermittelt – selbst das Handling ist stylish.
Die Reduktion führt nicht zu einem Weniger, sondern zu einem Mehr, nämlich Mühelosigkeit: Ästhetik wird damit zur Überlebens-Strategie in einem hektischen Alltag.
Die Leichtigkeit des Seins zu erfahren, wird auch beim automobilen Interieur – bisher immer im Schatten eines attraktiven äußeren Erscheinungsbildes - zunehmend wichtiger: Geprägt durch Erfahrungen mit anderen Produkt-Kategorien sollte die Formensprache klar und aufgeräumt sein und in eine logische Gesamtgestalt münden, Bedienkonzepte müssen in ihrer Funktionalität spontan transparent sein und den Joy of Use kommunizieren. Design-Attraktivität beim Exterieur wird durch eine eindeutige Symbolsprache sowie eine fließend-harmonische, aber nicht langweilige Gesamtanmutung erzeugt – dies erklärt den jahrzehntelangen Erfolg der Design-Ikone Porsche 911. Ein Beispiel für ein vom Verbraucher als sehr gelungen erlebtes Interieur-Design stellt der BMW 5er GT dar. Die ihm attribuierte Modernität und „schnörkellose“ Eleganz entsteht als Ergebnis einer präzisen, aber nicht starren Designsprache, die „entlastet“ und entspannt – ebenso wie die Variabilität im Innenraum oder die Luftigkeit/Helligkeit durch ein Panorama-Dach. Abgerundete und organische Formen fließen quasi durch das Fahrzeug, hochwertige Materialien und eine sinnliche Haptik sorgen für einen exklusiven und ästhetischen Gesamteindruck.
Ästhetik muss an allen Touchpoints der Marke konsequent umgesetzt werden, um zu einem stimmigen Gesamterlebnis zu führen: Unsere Psychologen beraten Sie gerne zu integrierten Forschungsansätzen und konkreten Maßnahmen.