"Desing Thinking" im Rapid Prototyping Prozess

Eine Reihe von spezifischen Prozessen und Techniken zum optimalen Produkt-Design sind unter dem Begriff "Design Thinking" seit einiger Zeit stark im Kommen. Die Idee vom Design als einfacher Verschönerungsprozess, als "Make it pretty", wurde im "Design Thinking" jedoch gründlich revolutioniert. Denn im Gegenteil zur klassischen Vorstellung werden hier oft ganze Produktionsprozesse und Vertriebswege für Kunden nutzerzentriert erarbeitet und umgestaltet. 

Obwohl die Betonung von "Think Big" vor allem für Tim Brown, Chef der Kreativfirma IDEHO, ein wesentliches Markenzeichen des Ansatzes ist, sind die Eckpfeiler des "Design Thinking" im Grunde sehr einfach und vielleicht gerade deshalb auch so wirkungsvoll:

"Design Thinking: Herausragende Innovationen entstehen, wenn sich interdisziplinäre Gruppen zusammenschließen und ausgehend von der richtigen Fragestellung sowie erkannten Bedürfnissen und Motivationen von Nutzern in einem iterativen, anwendungsorientierten Prozess Konzepte entwickeln, testen und umsetzen"

Im Zyklus des permanenten Verbesserns, der aus einem nutzerzentrierten Ansatz und sofortigem Testings besteht, entstehen, so die Meinung der "Design Thinker", die innovativsten Ideen und Produkte. In diesem Sinn wird auch gerne der wohl berühmteste aller Erfinder, Edison, mit der Aussage zitiert  "the real measure of success is the number of experiments that can be crowded into 24 hours".

Dies bedeutet, Qualität wird nicht durch sorgfältige Planung und Entwicklung im Vorfeld erreicht, sondern über Erkenntnisse, die aus dem Feedback im Testing gewonnen werden.

Im Gegensatz zu wissenschaftlichen Ansätzen zur "Problemlösung" liegt die Schwierigkeit im lösungs-
orientierten Design gerade darin, für Menschen zu entwickeln. Gerade da aber menschliche Faktoren extrem kontextabhängig sind, können sie kaum als statische Variablen in Prozesse einfließen. Deshalb, so der "Design Thinking" Ansatz, muss im Vorfeld getestet werden bis das Produkt optimiert ist, nicht umgekehrt. Hierin liegt bei aber genauer Betrachtung das Einfache und das Revolutionäre dieses Ansatzes:

Design ist ein sozialer Prozess. Designer sollen deshalb "Fehler" machen dürfen weil aus dem Nutzer-Feedback wichtige soziale Erkenntnisse entstehen.

Nach Meinung der "Design Thinker" wurde diese Erkenntnis in der Vergangenheit zwar immer wieder  gewonnen jedoch aus ökonomischen Gründen meist auch wieder verworfen. Gerade auf Managementebene geht es oft darum einen möglichst kompletten Design Ansatz bereits im Vorfeld zu bewerten um Budgets zu bewilligen. Problematisch ist neben der möglicherweise eingeschränkten Kenntnis der User-„Needs" jedoch, dass je detaillierter der Ansatz bereits gestaltet ist, Nutzer und Designer umso weniger dazu neigen von bereits eingeschlagenen Annahmen abzuweichen. Die Form leitet also den Grad der Innovation.

Interessanterweise sind diese Denkansätze im Webdesign jedoch keineswegs neu. Iterative Verfahren sind in diesem, von schnellen Veränderungen gezeichneten Bereich, bereits seit langem unter dem Begriff „Rapid Prototyping" erfolgreich.

Im Rapid Prototyping Prozess werden Vorlagen wie Screenshots, Papier-Prototypen oder Klickdummys von 3-4 Nutzern pro Tag getestet. Die Nutzung wird beobachtet, nach jedem Einzeltest von einem Team aus Usability Experten, Designern - Programmierern und Managern bewertet und "On-the-Fly" verbessert. Vorteile bestehen darin, Produkte oder Add-Ons innovativ, nutzerfreundlich und schnell ("Rapid") zu optimieren. Innovation kommt, so glauben auch wir, durch Nutzer, Testing und Erfahrung.

Insofern sind auch wir überzeugte „Design Thinker". 

Senior Consultant
Jörg Bauer