Die Statistik verstehen
Artikel aus den "Nürnberger Nachrichten", erschienen am 27.04.2007
Wie werden die Kunden auf ein neues Produkt reagieren? Welche Ursachen verbergen sich hinter ihrem Konsumverhalten? Wer solchen Fragen auf den Grund gehen möchte, kann sich als Fachangestellte/r für Markt- und Sozialforschung ausbilden lassen.
Die Materie in der Marktforschung ist nicht immer hochkompliziert, sagt Frank Knapp, der Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens Psyma Research+Consulting GmbH in Lauf. Trotzdem hätten bislang hauptsächlich Uniabgänger in der Branche Fuß gefasst. Doch für einfachere Tätigkeiten wie Kundenbetreuung oder die Auswertung von Online-Fragebögen „ist ein Hochschulabschluss ist nicht erforderlich“. Deshalb sei der Ausbildungsberuf Fachangestellte/r für Markt- und Sozialforschung geschaffen worden. Doch wer möchte schon einen Beruf erlernen, der noch nicht lange existiert und über den es kaum Informationen gibt?
Janine Kaselitz will. Sie durchläuft bei Psyma gerade ihre Ausbildung als Fachangestellte für Markt-und Sozialforschung. Von einem Bekannten hat Kaselitz von der neuen Stelle erfahren und sich spontan beworben. „Es war eine neue Herausforderung für mich“, sagt sie. Momentan vercodet die Auszubildende in der Abteilung „Automobilbranche“ Online-Fragenbögen. Später wird sie auch an der Auswertung mitarbeiten und Telefongespräche mit dem Kunden führen. „Das ist ganz anders als die typische, langweilige Büroarbeit — es ist einfach nicht immer dasselbe“, meint Janine Kaselitz.
Kleinigkeiten sind monoton
Diese Abwechslung und die Möglichkeit, an mehreren Projekten gleichzeitig mitzuarbeiten, gefallen auch ihrem Kollegen Gregor Schindler, der als Auszubildender im Bereich Telekommunikation tätig ist: „Es sind nur Kleinigkeiten, die wirklich monoton sind.“ Doch auf die bisweilen etwas stereotypen Tätigkeiten — etwa endlose Datenreihen in den Computer eingeben — war der Azubi schon vorbereitet. Er hat vorher bereits zwei Jahre freiberuflich in der Marktforschung gearbeitet. Schindler kennt sich also schon ein bisschen aus und setzt auf eine Zukunft in der Branche: „Ich denke, in diesem Bereich wird es immer Arbeit geben — sogar in der Region.“ Schließlich ließen heute viele große Unternehmen die Absatzchancen ihrer Produkte von Marktforschern überprüfen.
Allerdings ist die Arbeit als „Fachangestellter für Markt- und Sozialforschung“ kein Kinderspiel, sondern „ein sehr anspruchsvoller Ausbildungsberuf“ sagt Susanne Edinger, von der Berufsschule B4. „Man sollte auf jeden Fall mathematische Vorkenntnisse und Teamfähigkeit mitbringen“, rät die Lehrerin, die die Auszubildenden in dem neuen Bereich betreut. Und allein wenn sich Edinger den schulischen Lehrplan für die nächsten drei Jahre anschaut, erkennt sie: „Da ist Leistungsbereitschaft gefordert.“ Doch Edinger denkt, dass unter den neuen Azubis, die zum ergänzenden Unterricht die Berufsschule besuchen, keiner ist, der seine Ausbildung auf die leichte Schulter nimmt. „Die Kandidaten passen ins Berufsbild rein — ich glaube nicht, dass aus dem Jahrgang noch einer abspringt.“
